CI-Kinder und Eltern

CI-Kinder und Eltern in Thüringen

Was ist ein Cochlea Implant?

Was ist ein Cochlea-Implant (CI)?

Ein Cochlea-Implant ist eine elektronische Innenohrprothese, die Menschen mit Schädigungen des Innenohres ein neues Hören ermöglicht. Ein CI wird heute empfohlen, wenn eine hochgradige Schwerhörigkeit vorliegt oder der betreffende Patient völlig gehörlos ist. In diesen Fällen ist zumeist die Weiterleitung der Schallreize an den Hörnerv stark gestört oder unterbrochen. Besonders für Kinder ist dadurch die sprachliche und soziale Entwicklung beeinträchtigt. Die Erfahrungen zeigen, dass gehörlos geborene oder vor dem Erlernen von Sprache ertaubte Kinder sich umso besser entwickeln, je früher mit einer CI-Versorgung begonnen wird.

Das CI übernimmt die ausgefallenen Funktionen des Innenohres, indem es elektrische Reize direkt an den Hörnerv bringt und so die Störung bzw. Unterbrechung der Weiterleitung überbrückt. Zu diesem Zweck wird ein Teil des CI-Systems (das Implantat) mit seinem Elektrodenträger direkt in die Hörschnecke (Cochlea) eingebettet. Diese Implantation wird in einer Vielzahl von Kliniken durchgeführt und ist weniger gefährlich als sie aussieht.

Zur Kommunikation mit der Außenwelt besitzt das Implantat eine passive Elektronik und eine Spule. Das Implantat hat je nach Hersteller eine flexible Silikonverkappung oder ein stabiles Keramikgehäuse und wird in der Regel am Hinterkopf im Schädelknochen verankert. Die äußeren Teile des CI-Systems liefern ihre Informationen an das Implantat drahtlos - induktiv - über die Spule. Für den korrekten Sitz der externen auf der internen Spule sorgt ein Magnet.

Das Implantat kann über Stromimpulse auf seinen Elektroden bestimmte Teile des Hörnervs in der Cochlea reizen und so einen Höreindruck hervorrufen. Die Elektroden sind über die Länge der Cochlea verteilt. Die Ansteuerung der Elektroden in einem solchen System ist sehr kompliziert. Die Funktion der Aufbereitung der aufgenommenen Schallsignale in eine für das Implantat geeignete Form übernimmt der Sprachprozessor.

Sprachprozessoren hatten bis vor einiger Zeit das Format eines Gameboys (oder das einer Zigarettenschachtel, wem das Bild besser gefällt). Das lag vor allem an der komplizierten Elektronik und deren Stromverbrauch, aber auch an der Größe der Bedien- und Anzeigeelemente. In dieser Größe können sie mit wiederaufladbaren Akkus betrieben werden, was die Betriebskosten senkt. Moderner, diskreter und leistungsfähiger sind die sogenannten HdO- (Hinter-dem-Ohr-) Geräte, die alle Hersteller im Angebot haben. Sie haben die Größe eines normalen Hörgerätes und werden wie dieses getragen. Bis auf einige Sonderfälle (bei sehr kleinen Kindern) stellen sie die Standardausrüstung dar.

In den uns bekannten Kliniken werden Cochlea-Implant-Systeme folgender drei Hersteller eingesetzt (in alphabetischer Reihenfolge):

Wie wird aus Schall ein Höreindruck?

Das Hören ist ein komplizierter Vorgang, schon beim gesunden Gehör. Das geschädigte Gehör muss dazu noch auf eine Reihe „eingebauter Hilfsmittel“ zur Verstärkung und Vorselektion verzichten. Die Übertragung der Schallwellen in elektrische Reize, die vom Hörnerv aufgenommen und vom Gehirn interpretiert werden können, ist daher eine Wissenschaft für sich. Im Gebrauch sind im wesentlichen drei sogenannte Sprachkodierungsstrategien, die das auf unterschiedliche Weise ermöglichen. Wir möchten darauf hinweisen, dass die nachfolgende Aufstellung keine Qualitätseinschätzung der jeweiligen Strategien ermöglicht. Herstellerübergreifende Studien zeigen keine sicheren Merkmale, an denen sich die eine oder andere Strategie als signifikant besser erweisen könnte. Ein wichtiger Teil der Forschung befasst sich deshalb mit der Ermittlung von Kriterien, für welchen Patienten welche Implantate bzw. Strategien geeignet sind. In den letzten Jahren hat sich die zu erwartende Hörfähigkeit durch ein konsequentes Qualitätsmanagement der gesamten Behandlung (Indikation, Implantation, Rehabilitation) stark verbessert.

    Continuous Interleaved Sampling (CIS)

    Diese Sprachkodierungsstrategie wird von allen Herstellern unterstützt. Die Elektroden werden in schneller Abfolge nacheinander mit einer der jeweiligen Lautstärke entsprechenden Pulsstärke angesteuert. Der Vorteil von CIS liegt in der hohen Geschwindigkeit der Reizfolge, die eine gute Auflösung der zeitlichen Strukturen von Schall ermöglicht. Herstellerabhängig sind Reizraten im Bereich um 1500 bis 2000 Pulsen/Sekunde für ein und dieselbe Elektrode üblich. Die Gesamtbandbreite für z. B. 12 Elektroden liegt damit bei etwa 18000 bis 24000 Pulsen pro Sekunde. Neuere Modelle sind erheblich schneller.

    Advanced Combination Encoders (ACE, SmartSound)

    Diese von der Firma Cochlear angebotene Kodierungsstrategie selektiert in einem Bewertungsverfahren eine Anzahl von relevanten Elektroden, deren Reizung im jeweiligen Durchlauf die höchstmögliche Information überträgt. Diese werden dann nacheinander mit einer der jeweiligen Lautstärke entsprechenden Pulsstärke angesteuert. Die Zuordnung dieser Kanäle zu den Elektroden ist also flexibel. Mit diesem Verfahren ist eine effektive Bedienung einer höheren Anzahl von Elektroden möglich. Das Verfahren zeichnet sich deshalb auch durch eine gute Tonhöhenauflösung aus. Eine typische Konfiguration benutzt z. B. 12 Kanäle aus 22 mit ca. 1200 Pulsen je Sekunde und Kanal. Die Gesamtbandbreite liegt damit bei ca. 14400 Pulsen pro Sekunde. Neuere Modelle unterstützen bis zu 35000 Pulse pro Sekunde.

    HiResolution (HiRes)

    Diese Sprachkodierungsstrategie wird von der Firma Advanced Bionics angeboten. Sie stimuliert gleichzeitig alle vorhandenen Elektroden mit einer hohen Wiederholrate. Die Zuordnung der Kanäle zu den Elektroden ist fest. Die derzeit angebotenen Implantate unterstützen bis zu 16 Elektroden (Clarion Bionic Ear). Die Stimulationsrate kann bis zu 83000 Pulse pro Sekunde erreichen.

Es werden zur Zeit weitere Strategien erprobt. Der Trend geht zu mehr Elektroden und höheren Stimulationsraten.  Forschungen zeigen, dass eine höhere Pulsrate zu einer mehr zufällig verteilten Anregung der Nervenzellen führt und damit dem natürlichen Hören näher kommt. Diese Verfahren sind jedoch teilweise noch sehr neu. Das hohe Qualitätsniveau mag man daran ermessen, dass die Forschung sich stärker komplizierteren Hörsituationen widmet (Musikhören, Hören in Störlärm, Erweiterungen des Dynamik- und Frequenzbereiches).

Zunehmend werden Erwachsene und auch Kinder mit zwei CIs versorgt (Bilaterale Versorgung). Während die einseitige Versorgung bei entsprechender Diagnose praktisch von allen Krankenkassen bezahlt wird, ist für die zweite Seite bisher immer noch eine Einzelfallprüfung erforderlich. Die Ergebnisse sind jedoch vielversprechend. Die Diskussion über eine Regelversorgung mit zwei CIs ist derzeit im Gange.

Disclaimer

Die hier zusammengestellten Informationen wurden aus verschiedenen Quellen zusammengetragen und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Einige Informationen stammen von den Herstellern bzw. deren Web-Seiten und können naturgemäß Marketing-geprägte Aussagen enthalten. Wiewohl wir versucht haben, dies zu eliminieren, sind entsprechende Informationen mit der gebotenen Vorsicht zu behandeln. Die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes System ist oft auch von anderen Faktoren abhängig, die hier nicht alle behandelt werden können. Leider ist die Beratung in den Kliniken teilweise ebenfalls von gewissen Vorlieben geprägt. Wir können daher nur raten, sich mit soviel technischer und medizinischer Information zu versorgen wie möglich, um für Ihr Kind die beste Entscheidung zu treffen.

Dr. Thomas Vandahl